„Da saß ich nun und war mit meinem Latein am Ende, verstand nur noch Bahnhof, kapierte überhaupt nichts mehr! Dabei war ich doch stolz wie Oskar, hatte gerade mein Spanisch-Diplom erworben.“ Hans-Jürgen Fründt hat am eigenen Leib erfahren, dass der dominikanische Akzent eben doch etwas anders ist als das „spanische Spanisch“. Damit uns das erspart bleibt, hat er den Sprachführer „Spanisch für die Dominikanische Republik“ geschrieben, der in der Kauderwelsch-Reihe des „Reise Know-How“ Verlags erschienen ist.
Man kann als Tourist natürlich auch erst einmal die Natur der Dominikanischen Republik bewundern. Das Traumbild eines weißen Strandes, von Palmen umsäumt und an glasklarem Wasser gelegen, ist hier Realität geworden. Das Klima ist im Sommer tropisch heiß, nur die monatelange Regenzeit könnte die karibische Urlaubslaune etwas abkühlen. Eisig werden die Temperaturen dadurch nicht, sie liegen trotzdem noch bei etwa 30 Grad. Deshalb sei gewarnt: "¡Cuidado con el sol!" (Aufpassen mit der Sonne!)
In der Dominikanischen Republik ist es also warm und auch ihre Einwohner sind warmherzig. Der Sprachführer geht sogar noch einen Schritt weiter: „Die Dominikaner behaupten von sich, die höflichsten Menschen der Welt zu sein. Zweifelsfrei beurteilen wird das wohl niemand können, aber sie kommen dem eindeutig sehr nahe.“ Man sollte daher jedem noch so gestammelten Gesprächsversuch ein „por favor“ (bitte) oder „gracias“ (danke) hinzufügen. Aufzustöbern sind solche Freundlichkeiten im Kapitel „Begrüßungen“.
Um dem dominikanischen Spanisch erst einmal ein wenig Herr zu werden, liefert der Sprachführer ein paar grammatische Grundkenntnisse. Diese beschränken sich auf das Wesentliche und sollen lediglich dazu anregen, überhaupt erst einmal die Sprache kennenzulernen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die im Sprachführer verwendete Übersetzung „Wort für Wort“. So wird die häufig verwendete Floskel „cambiar la chaqueta“ zunächst wortwörtlich wiedergegeben: „wechseln die Jacke“. Mit der Zeit entwickelt der Leser so ein Gefühl für die Sprache und kann dann auch in korrektem Deutsch „die Meinung ändern“.
Eine hohe Meinung haben die Dominikaner von ihrer Familie. Sie ist ihnen heilig und natürlich wollen die Menschen auch schnell wissen, ob man selbst verheiratet ist. Falls nicht, sind sie mit Sicherheit erstaunt, denn in der Dominikanischen Republik ist ein unverheiratetes Pärchen quasi verlobt: der Mann wird zur "novio", die Frau zur "novia" (Verlobten). Wird im Übrigen ein Kind unehelich geboren, kann aus dem freundlichen niño“ (Kind) das etwas harsch klingende „criatura“ werden. Die Bezeichnung ist dort allerdings normal und nicht so hart, wie sie uns im Deutschen erscheinen mag.
Der wichtigste Mann im Staat ist er zwar nicht, aber der „Cobrador“ ist zumindest der bedeutendste Mann im Bus. Er ist Kassierer, Platzanweiser, Zielansager und Mann für Sonderwünsche in Personalunion. Seine eigentliche Aufgabe aber ist es, den Bus vollzubekommen und wie er das schafft, zeigt der Sprachführer auf amüsante Art und Weise: „Also hängt er lässig aus der geöffneten Seitentür heraus, klammert sich irgendwie am Dach fest und brüllt sein Ziel heraus – "Hato Mayor directo, direeectooo!“
Wer nun gleichfalls directo in die Dominikanische Republik aufbrechen will, dem sei der Sprachführer „Spanisch für die Dominikanische Republik“ ans Herz gelegt. Und wer die Busfahrt in einem der holprigen "Guaguas" (Kleinbusse) überstanden hat, darf sich auf etwas ruhigere Gespräche auf einem der puderzuckerhellen Strände freuen.
Christoph Schlüter